Wwoofen Australien
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Wwoofen Australien

Erlebnis WWOOFen

Mist, ich muss noch bei meinen neuen Hosts (Gastfamilie) anrufen, wann ich da morgen ungefaehr auftauche. Telefoniert haben wir ja schonmal, aber das erste Treffen mit seiner neuen Gastfamilie kann so unterschiedlich sein, dass man sich kaum darauf vorbereiten kann.

Du weisst ja nie, auf wen du da triffst. Junge oder alte Menschen, Familien mit oder ohne Kinder, alleinstehende Maenner oder Frauen, eher alternative oder doch konservative Personen.

Was denken sie, wenn sie mich zum ersten Mal sehen (ich hab einige Piercings und Tattoos, auf die die Reaktionen ganz unterschiedlich ausfallen)? Wieviele WWOOFer hatten sie schon vor mir? Welche Erfahrungen haben sie bisher mit WWOOFern gemacht? Soll ich in den naechsten Tagen arbeiten wie eine Angestellte oder werde ich fuer kurze Zeit sowas wie ein Mitglied der Familie? Was genau soll ich ueberhaupt machen?

Die Angaben im WWOOFer BOOK sind ja meistens doch sehr generell und lassen viel Raum fuer Spekulationen. Kann ich mir vorstellen, mit diesen Leuten, wenn auch nur begrenzt, zusammenzuleben? Da geht einem so Einiges durch den Kopf.

Angefangen hat mein WWOOFer-Dasein (n)irgendwo in Victoria mit einem jungen, ziemlich durchgeknallten Australier, der, wie sich erst spaeter herausstellte, nicht der Host sondern mein neuer Mitbewohner sein sollte. Ich sollte mit ihm und (m)einer Freundin ein Haus teilen.

Wir wohnten also nicht direkt bei unseren Hosts. Der besagte junge Mann redete ohne Punkt und Komma, hatte tausend Fragen, fuhr Auto wie n Verrueckter und machte uns den Start im neuen zu Hause recht einfach. Anfangs noch unsicher, was vor allem unsere Aussie-Englisch-Kenntnisse betraf, sind wir schnell mit unserem neuen Mitbewohner, Englischlehrer, Chauffeur und Entertainer sehr gut klar gekommen.

Zu den eigentlichen Hosts hatten wir nur wenig Kontakt, was wir erst schade fanden, aber dann genossen. Unsere Aufgaben waren schnell erklaert, arbeiten konnten wir wann und wie lange wir wollten.

Zu unseren naechsten Hosts hatten wir definitiv mehr Kontakt, eine vierkoepfige Familie mit unheimlich vielen Tieren. Hier lagen unsere Anfangsschwierigkeiten eher darin, unser neues zu Hause zu finden. Normalerweise mit lonely planet bewaffnet, verliessen wir uns dieses Mal auf  wegweisende Australier. Wird uns nach einer Stunde in die falsche Richtung laufen nicht noch einmal passieren :-). Dafuer hatten wir aber genug Zeit, uns Gedanken ueber das bevorstehende Treffen zu machen.

Ob es an der gleichen Sprache (deutsch) lag oder an der Erleichterung, das richtige Haus endlich gefunden zu haben, kann ich nicht sagen, aber dieses Mal keine Spur von Unsicherheit. Wir haben uns sofort wohl und am richtigen Platz gefuehlt. Wir sollten im gleichen Haus wie die Familie in einem extra WWOOFer-Zimmer leben. Das heist mitten drin und live dabei!

Und jetzt sitze ich schon wieder hier und frage mich, was der morgige Tag wohl bringt. Bin gespannt auf die Familie und die neuen Aufgaben, die da auf mich warten. Wir werden die naechsten zwei Wochen in einem separaten Karavan wohnen und im Guesthouse-Betrieb helfen. Alles weitere erfahren wir dann.

Meine Erfahrungen als WWOOFer waren bislang ziemlich unterschiedlich, aber im Endeffekt sehr positiv. Auch wenn es im ersten Moment manchmal ganz anders aussah.

Ist man bereit, WWOOFing nicht nur als eine billige Art zu reisen zu betrachten, sondern geht man neugierig und interessiert auf neue, andere Leute und Kulturen zu, ist man bereit sich anzupassen, die verschiedensten Aufgabenbereiche zu uebernehmen, dann macht WWOOFing nicht nur Spass, sondern bietet einem ausserdem noch die Moeglichkeit, viele nette Leute kennen zu lernen, aus denen manche vielleicht wirkliche Freunde werden (z.B. der verrueckte junge Mann aus Victoria).

Und nicht nur andere Leute habe ich so besser kennen gelernt. Auch mich selber.